Krise am norwegischen Hof: Wie Skandale und Vertrauensverlust die Monarchie gefährden
König Haakon besteigt den norwegischen Thron in einer Phase, in der das Vertrauen in die Königsfamilie massiv erschüttert ist.
Jens Kröger·aktualisiert 30. August 2026

Wie die Westdeutsche Allgemeine Zeitung unter Berufung auf eine Erhebung berichtet, wollte jeder dritte Norweger die Monarchie mit dem Tod von König Harald abschaffen. Der 53-jährige Haakon, ausgebildeter Marineoffizier auf einem Torpedoboot, übernimmt eine Institution, die in der öffentlichen Wahrnehmung bereits an Tiefgang verloren hat, bevor er sein erstes offizielles Programm absolviert. Der WA.de-Beitrag entstand in Kooperation mit dem britischen Telegraph.
Dauerbelastung Stiefsohn
Den härtesten Brocken bildet Marius Borg Høiby, 29 Jahre alt, Stiefsohn des Königs. Er wurde laut WA.de im Juni wegen Vergewaltigung und Körperverletzung zu vier Jahren Haft verurteilt. Der Prozess fesselte die Nation und beschädigte das Ansehen der Krone nachhaltig. Høiby ist der Sohn von Mette-Marit aus einer früheren Beziehung mit dem Unternehmer Morten Borg, der wegen Körperverletzung und Kokainbesitzes vorbestraft war und als bekannte Figur der Osloer Partyszene galt. Der König adoptierte den damals noch jugendlichen Stiefsohn und machte ihn über Jahre zur festen Figur der norwegischen Hochglanzpresse, bevor die Festnahme wegen Sexualdelikten im August 2024 die Berichterstattung kippte.
Epstein, Schamane, Transplantation
Parallel belasten zwei weitere Vorgänge das Bild der Familie. Norwegische Medien enthüllten, dass Mette-Marit in den frühen 2010er-Jahren mit Jeffrey Epstein befreundet war. Prinzessin Märtha-Louise heiratete im August 2024 einen selbsternannten US-Schamanen. Bei Mette-Marit selbst wurde 2018 eine Lungenfibrose diagnostiziert; wenige Tage vor der Verurteilung ihres Sohnes kam eine Lungentransplantation hinzu. Haakon, der Mette-Marit 1999 auf einem Musikfestival in Kristiansand kennenlernte und 2001 heiratete, gilt in der engsten Familie als Außenseiter. Geboren 1973 und an staatlichen Schulen aufgewachsen, beschreibt ihn die WA.de als gelassen, zurückhaltend und entschlossen, den guten Namen der Krone unter allen Umständen zu wahren. Die 2004 geborene Ingrid Alexandra bleibt Thronfolgerin.
Was davon am Fjord ankommt
Ferienhausgäste und Angler merken von der Palastkrise im Alltag nichts. Mietverträge, Bootsverleihe und Angelkarten laufen unabhängig von royalen Affären. Relevant wird die Lage nur, wenn königliche Termine Hafenzufahrten, Parkplätze oder Straßenabschnitte vorübergehend sperren, etwa bei Staatsbesuchen in Küstenstädten. Vor Anreise in Regionen mit offiziellen Programmpunkten lohnt der Blick auf die Mitteilungen der jeweiligen Kommune. Wer abseits der Hauptrouten logiert, bekommt die Krone nicht zu Gesicht und kann die Reise ohne Sonderprüfungen antreten. Faustregel: royale Termine führen sporadisch zu Hafensperrungen und Umleitungen – Reisedaten am Termin vorbeilegen.