Norwegens Bahnnetz unter Druck: Modernisierungen führen zu Zugausfällen
Wie das BusinessPortal Norwegen unter Berufung auf Bane NOR berichtet, lag die Pünktlichkeit im Juli nur bei 83,1 Prozent.
Jens Kröger·aktualisiert 23. August 2026

Rund 22.000 Personenzüge sind in Norwegen in diesem Jahr bereits ganz oder teilweise ausgefallen. Wie das BusinessPortal Norwegen unter Berufung auf Bane NOR berichtet, lag die Pünktlichkeit im Juli nur bei 83,1 Prozent. Als Ursachen gelten extreme Hitze und umfangreiche Modernisierungsarbeiten am Schienennetz. Für Reisende, die mit der Bahn zu ihrem Ferienhaus anreisen, heißt das: mehr Pufferzeit in der Tagesplanung.
Lage im Überblick
Die landesweite Pünktlichkeit im bisherigen Jahresverlauf beträgt 87,1 Prozent. Das ist ein Rückgang gegenüber 87,6 Prozent im Vorjahr und liegt unter dem Regierungsziel von 90 Prozent. Etwa ein Drittel der Unregelmäßigkeiten geht laut Bane NOR auf den Erdrutsch bei Nesvatnet in Levanger zurück, der die Nordlandsbanen zwischen August 2025 und Juni dieses Jahres lahmlegte.
Rund 90 Prozent des norwegischen Schienennetzes sind eingleisig: Von 3.962 Kilometern Strecke entfallen 3.645 auf eingleisige Abschnitte. Verspätet sich ein Zug, überträgt sich die Verspätung schnell auf die Folgezüge – eine strukturelle Schwäche, die Wartungsarbeiten kurzfristig verschärfen.
Brennpunkt Oslo und Ostnorwegen
Im Großraum Oslo zeigt sich die Lage am deutlichsten. Bis zum 16. August lag die Pünktlichkeit im Berufsverkehr bei nur 69,2 Prozent. Am 17. August fielen in der Hauptverkehrszeit 48,1 Prozent der Züge aus – einer der schwächsten Tage des Jahres 2026.
Mitte August häuften sich drei Vorfälle auf der Romeriksporten-Strecke und zwischen Skøyen und Lysaker: Erosion unter dem Schotterbett, ein als „Geisterzug" bezeichneter Signalfehler sowie ein elektrischer Defekt. Die 30 Jahre alte Romeriksporten-Strecke zwischen Oslo S und Lillestrøm ist wegen notwendiger Wartung gesperrt. Schnelle Züge weichen auf die ältere Hauptstrecke aus – die Folge: Verspätungen schlagen stärker durch als üblich.
Verkehrsminister Jon-Ivar Nygård hatte am 19. August zu einer Krisensitzung mit Bane NOR und der norwegischen Eisenbahnaufsicht geladen.
Was Reisende jetzt tun
Wer in den nächsten Wochen mit der Bahn anreist, plant Pufferzeiten ein und prüft vor Abfahrt die aktuellen Meldungen von Bane NOR. Bei knappen Anschlüssen im Großraum Oslo möglichst nicht die Stoßzeiten wählen. Auf der Nordlandsbanen läuft nach der Wiedereröffnung im Juni noch der Belastungstest; Verspätungen sind dort weiter wahrscheinlich.
Für die Anreise zum Ferienhaus gilt: Ist am Zielort ein Mietwagen gebucht, eine Reserve von ein bis zwei Stunden zwischen Bahnankunft und Übernahme einplanen. Funktioniert der Anschluss nicht, ist der Taxi- oder Busnotfall die teurere, aber planbare Variante. Bei Langstrecken den Anreisetag nicht mit festen Terminen zubetonieren, sondern die Schlüsselübergabe flexibel halten. Wer absolute Anschlusssicherheit braucht, wählt die Anreise per Flug oder lässt sich am Bahnhof abholen.